Seit über einem Jahrzehnt ist westace.ch ein zentraler Akteur im Schweizer Kunstmarkt – nicht als reiner Vermittler, sondern als Plattform, die kreative Projekte mit institutionellem Engagement verbindet. Das Portal fungiert als Brücke zwischen lokalen Künstlern, Galerien und öffentlichen Förderprogrammen, wobei es sich auf die Förderung experimenteller und konzeptueller Kunstwerke spezialisiert hat. Besonders bemerkenswert ist, wie westace.ch seit 2010 systematisch die Schnittstelle zwischen Kunst und öffentlicher Kultur in der Schweiz ausbaut, ohne dabei auf kommerzielle Interessen zu setzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen, die sich auf den Verkauf von Kunstwerken konzentrieren, setzt das Projekt auf langfristige Kooperationen mit Museen und Kulturinstitutionen – ein Ansatz, der in der Schweiz bisher einzigartig ist.
Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Unterstützung von Künstler:innen, die in der Schweiz oft unterrepräsentiert sind. Das Projekt fördert gezielt Werke, die gesellschaftliche Debatten anstoßen, etwa durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung für Kunst im öffentlichen Raum oder durch die Organisation von Ausstellungen in weniger etablierten Räumen. Ein konkretes Beispiel ist die 2022 durchgeführte Serie „Unsichtbare Spuren“, bei der westace.ch gemeinsam mit der Stadt Bern eine Reihe von temporären Installationen in öffentlichen Plätzen organisierte. Diese Projekte zeigten, wie Kunst im urbanen Raum neue Räume für Dialog und Reflexion schaffen kann – ein Modell, das auch für andere Schweizer Städte nachahmenswert ist.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit der Gründung 2010 hat westace.ch über 150 Künstler:innen und Kurator:innen unterstützt, davon rund 40 Prozent Frauen und nicht-binäre Künstler:innen, was die Diversität des Kunstmarkts in der Schweiz deutlich erhöht. Besonders erfolgreich ist das Projekt in der Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Kunststiftung, die seit 2018 jährlich bis zu 300.000 Franken für Projekte über westace.ch vergibt – ein Betrag, der deutlich über dem Durchschnitt der anderen Förderinstitutionen liegt. Ein weiterer Meilenstein ist die Gründung des „Westace-Kunstpreises“ im Jahr 2019, der jährlich junge Künstler:innen aus der Region mit einem Preisgeld von 10.000 Franken auszeichnet. Dieser Preis hat bereits zu mehreren Ausstellungen in der Schweiz und im Ausland geführt, darunter eine Retrospektive der Preisträger:innen in der Kunsthalle Zürich im Jahr 2022.
Doch was macht westace.ch besonders? Es geht nicht nur um die Förderung einzelner Künstler:innen, sondern um ein ganzheitliches Konzept, das Kunst als lebendigen Prozess versteht. Die Plattform organisiert regelmäßige Workshops, Diskussionsrunden und Netzwerktreffen, bei denen Künstler:innen, Kurator:innen und Förderer:innen zusammenkommen. Ein Beispiel ist das jährlich stattfindende „Kunst & Gesellschaft“-Seminar, das seit 2017 stattfindet und sich mit aktuellen Themen wie Klimakunst oder digitaler Kultur auseinandersetzt. Diese Veranstaltungen sind nicht nur ein Ort für Austausch, sondern auch ein Modell für die Zukunft der Kunstförderung in der Schweiz.
Trotz seiner Erfolge steht westace.ch vor neuen Herausforderungen. Die Digitalisierung des Kunstmarkts beschleunigt sich, und viele Künstler:innen suchen nach neuen Wegen, ihre Werke zu vermarkten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Qualität der Förderprojekte. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, arbeitet westace.ch derzeit an einer neuen Strategie, die stärker auf die Nutzung von KI-Tools für die Auswertung von Kunstwerken setzt – allerdings immer mit dem Ziel, die menschliche Kreativität zu unterstützen, nicht zu ersetzen. Ein weiterer Schritt ist die Erweiterung des Netzwerks in die Nachbarländer, um die internationale Sichtbarkeit der Schweizer Kunst zu stärken.
- Seit 2010 hat westace.ch über 150 Künstler:innen und Kurator:innen unterstützt, davon 40 Prozent Frauen und nicht-binäre Künstler:innen.
- Jährlich vergibt die Stiftung für Kunst im öffentlichen Raum bis zu 300.000 Franken an Projekte über westace.ch.
- Der Westace-Kunstpreis seit 2019 zeichnet jährlich junge Künstler:innen mit 10.000 Franken aus.
- Seit 2017 organisiert westace.ch das „Kunst & Gesellschaft“-Seminar mit Fokus auf gesellschaftlich relevante Themen.
- Die Plattform kooperiert mit Museen wie der Kunsthalle Zürich und der Stiftung für Kunst im öffentlichen Raum.
Obwohl westace.ch nicht als klassische Galerie oder Museum agiert, hat es eine einzigartige Position im Schweizer Kunstsystem eingenommen. Es zeigt, dass Kunst nicht nur in Galerien oder Museen existiert, sondern auch in öffentlichen Räumen, auf digitalen Plattformen und in Gemeinschaftsprojekten. Für die Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich diese innovative Herangehensweise weiterentwickeln wird – doch eines ist sicher: westace.ch hat bereits bewiesen, dass Kunstförderung nicht nur eine Frage der finanziellen Unterstützung sein muss, sondern auch eine Frage der Kulturpolitik und des gesellschaftlichen Engagements.